„Wir müssen vor Ort sichtbar werden“

Die Gestaltung von Quartieren und Sozialräumen ist seit Jahren ein wichtiges Thema in Städten und Gemeinden. Für die Diakonie Württemberg ist es auch mit Blick auf die Landesstrategie „Quartier 2030“ strategisch bedeutsam.

Das Quartier als Lebens- und Begegnungsraum wieder neu zu entdecken, ist eine Chance für Kirche und Diakonie, gemeinsam unterwegs zu sein. Das Projekt „Aufbruch Quartier“ unterstützt und begleitet Kirchengemeinden, diakonische Dienste und Einrichtungen dabei, Nachbarschaften aktiv mitzugestalten. Seit Jahresbeginn haben rund 40 Institutionen aus der Evangelischen Landeskirche und ihrer Diakonie ihr Interesse bekundet, bei „Aufbruch Quartier“ mit dabei zu sein. Insbesondere Pfarrerinnen und Pfarrer haben erkannt, welche Potenziale im Quartier stecken: „Wir müssen uns vor Ort sichtbar machen, sonst werden wir als Kirchengemeinden nicht mehr wahrgenommen “, so ein Seelsorger.

Um die Menschen zu erreichen, müssen wir uns dringend auf den Weg zu ihnen machen.

Pfarrerin zum Thema Potenziale im Quartier

Ideen gibt es dazu viele. Beispielsweise macht sich die Hohbuch-Kirchengemeinde Reutlingen mit ihrem Café-Mobil für alle sichtbar auf den Weg ins Quartier. Zusammen mit der nahe gelegenen Hochschule hat sie ein Café auf vier Rädern geplant, das Studierende dann gebaut und ausgerüstet haben. Bei einem ersten Koordinationstreffen mit kulturellen und diakonischen Einrichtungen, Vereinen und lokalen Bündnissen gab es schon viele Ideen, wie und an welchen Plätzen das schicke Mobil die Menschen bei einer Tasse Kaffee zusammenbringen kann.

Einen anderen Weg gehen evangelische Kirche und Diakonie in Horb. Kirchengemeinderätinnen, Sozialarbeiter und Vertreter von BruderhausDiakonie, Erlacher Höhe und Diakonischer Bezirksstelle haben Bürgerinnen und Bürger eingeladen. Als Pilgergruppe erkundeten sie gemeinsam Orte, an denen Kirche und Diakonie in der Stadt präsent sind. Im Projekt „Aufbruch Quartier“ wollen sie sich besser kennen lernen und ihre Angebote bündeln. Ziel ist, als professionelle diakonische Institutionen noch zielgerichteter und gemeinsam mit der Kirchengemeinde gegen Armut und Wohnungslosigkeit im Quartier vorzugehen. Der Pilgerweg ist der erste Schritt dieser übergreifenden und für alle sichtbaren Zusammenarbeit.

Logo des Projekts „Aufbruch Quartier“

Geht es bei der Quartiersentwicklung um in die Jahre gekommene Gebäude, redet man schnell von Millionenbeträgen. Für manche Kirchengemeinden, die von den Projektverantwortlichen beraten werden, geht es neben Geld vor allem auch darum, wie sie sich für die nächsten Jahre strategisch weiterentwickeln wollen. Hier sind ehrenamtliche Gremien wie Kirchengemeinderäte schnell an der Grenze dessen, was sie noch leisten können. Dabei brauchen sie Unterstützung von professionellen diakonischen Diensten und Einrichtungen, die seit vielen Jahren unterwegs ins Quartier sind, viel Erfahrung haben, jedoch die Kirchengemeinden manchmal noch zu wenig im Blick haben.

Konzept des Projekts „Aufbruch Quartier“

Hier kommt im Rahmen von „Aufbruch Quartier“ der im Projekt so benannte „Sozialraum-Trialog“ ins Spiel: Kirchengemeinden, kirchliche Einrichtungen und Dienste sowie freie diakonische Träger gehen vor Ort eine Partnerschaft ein. Sie bündeln ihre Ressourcen und Angebote und werden so als Kirche und ihre Diakonie im Nah-Raum als starke Partner wahrgenommen und wirksam. Auf Basis solcher neuen „Bündnisse“ werden Kommune, Vereine, Kulturschaffende und weitere Partner eingeladen oder man dockt sich an bereits laufende Quartiersentwicklungen vor Ort an. Ziel ist der wirksame Einsatz von Kirche und Diakonie für ein gelingendes inklusives Leben der Menschen in den Quartieren