Diakonie ganz international

Menschen auf der Flucht oder in der Migration sind oft benachteiligt. Deshalb sind viele Angebote der Diakonie auf sie ausgerichtet. Aber auch der Austausch in Freiwilligendiensten und Angebote zur Integration sind Arbeitsfelder.

Über Grenzen hinweg

Mobilität, Migration und Flucht sind globale Megatrends. In der Folge sind die Lebenswelten vieler Menschen und ihrer Familien grenzüberschreitend und international. Menschen suchen nach einem Leben in Sicherheit und Würde, sie suchen neue berufliche Perspektiven und aktive Teilhabe an Bildung und Qualifizierung, und sie sind bereit, dafür ihre Heimat zu verlassen.

Globale Vernetzung, Austauschprogramme sowie der Fachkräftemangel in vielen Staaten befördern diese Entwicklung. Dies spiegelt sich in der Bevölkerung in Deutschland ebenso wider wie in der Klientel der Diakonie und in ihrer Mitarbeitendenschaft. Die Situation der Betroffenen ist mit „Migrationshintergrund“ und „Fluchterfahrung“ nur unzureichend beschrieben.

Menschen auf der Flucht oder in der Migration sind überdurchschnittlich benachteiligt und gefährdet. Traditionell sind deshalb viele Angebote der Diakonie mit dem Thema Migration verbunden. Sie richten sich an Menschen, die beispielsweise von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung, Arbeitsausbeutung, Aufenthaltsfragen, Armut und Obdachlosigkeit, Diskriminierung und Rassismus betroffen sind. Die Diakonie setzt sich für legale Möglichkeiten der Migration und eine liberale Einwanderungspolitik ein.

Zahlreiche Angebote

Aus der Vielfalt der internationalen Aktivitäten seien hier exemplarisch benannt:

  • Die Landesgeschäftsstelle unterstützt diakonische Einrichtungen bei der Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung in den Arbeitsalltag als Mitarbeitende.
  • Im Rahmen der Freiwilligendienste ermöglicht die Diakonie Württemberg in enger Kooperation mit internationalen Partnerorganisationen jungen Menschen aus Deutschland Lern-Erfahrungen im Ausland und jungen Menschen aus aller Welt Lern-Erfahrungen in Einrichtungen der Diakonie Württemberg. Viele der internationalen Freiwilligen nehmen im Anschluss an ihren Freiwilligendienst eine Berufsausbildung in diakonischen Einrichtungen auf.
  • Die Landesstelle der Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ unterstützt gemeinsam mit Partnern vor Ort ältere und arme Menschen, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete und Minderheiten sowie weitere von Benachteiligung Betroffene in Osteuropa.
  • Die Landesgeschäftsstelle setzt sich als Landesstelle der Aktion „Brot für die Welt“ für globale Gerechtigkeit, die Stärkung der Armen, die Friedensförderung und die Bewahrung der Schöpfung ein und trägt auf diese Weise zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UN bei.
  • Gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Baden wirkt die Diakonie Württemberg im Rahmen des Europa-Kompetenz-Centers in Zusammenarbeit mit dem Europa-Büro der Diakonie Deutschland in Brüssel auf die Umsetzung der Diakonie-Charta „Für ein soziales Europa“ hin.
  • Die Landesgeschäftsstelle setzt sich für legale Arbeitsmigration ein und entwickelt Konzepte zur Umsetzung in mehreren Tätigkeitsbereichen der Sozialen Arbeit – bisher insbesondere in den Bereichen Hauswirtschaft und Pflege.

Grundsätze der internationalen Arbeit

Bei allen Aktivitäten steht die Würde des Menschen im Mittelpunkt diakonischen Wirkens. Die Diakonie wendet sich allen Menschen zu, unabhängig von Geschlecht, Religion, Hautfarbe und Nationalität. Ihre nationalen und internationalen Dienste orientieren sich stets an den Lebenslagen und den Bedürfnissen der Menschen. Dienst am Menschen heißt, Menschen zu begleiten und zu befähigen. Diakonie schaut hin und hört zu, sie nimmt die strukturellen Rahmenbedingungen wahr und gestaltet diese – immer in dem Bewusstsein, selbst Lernende zu sein.

Das Diakonische Werk Württemberg blickt sowohl konzeptionell als auch praktisch über Grenzen hinweg und arbeitet mit kirchlich-diakonischen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren weltweit zusammen. In der internationalen Zusammenarbeit sieht die Diakonie sowohl Chancen als auch Herausforderungen für alle Beteiligten, insbesondere auch für die direkt oder indirekt beteiligten Mitarbeitenden. Die Förderung diversitätsbewussten Arbeitens in der Landesgeschäftsstelle und den Mitgliedseinrichtungen der Diakonie ist eine wichtige und langfristige Aufgabe. Die Leitlinien und Empfehlungen zur interkulturellen Orientierung im Verband dienen dabei als Orientierung.

Die Diakonie Württemberg setzt sich für die Teilhabe aller, für Chancengerechtigkeit, für ein soziales und menschliches Miteinander und eine lebendige Demokratie ein. Sie richtet sich gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Diskriminierung und sagt Nein zu Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Nationalismus.

Die Qualität internationaler Zusammenarbeit basiert unter anderem auf stabilen, mittel- bis langfristig ausgerichteten Partnerschaften mit verlässlichen Ansprechpersonen vor Ort. Die Zusammenarbeit mit internationalen Partnerorganisationen ist gleichberechtigt zu gestalten. Dies zielt auf die gemeinsame Entwicklung von Zielen und Inhalten innerhalb der Zusammenarbeit von Beginn an, gleichberechtigte Teilhabe aller Beteiligten an relevanten Entscheidungen und Transparenz im Hinblick auf Strukturen, Rahmenbedingungen und Finanzierung.

Konkrete Umsetzung in der Landesgeschäftsstelle

Die Arbeitsbereiche innerhalb der Landesgeschäftsstelle tauschen sich regelmäßig über die Aktivitäten im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit aus. Neben dem Informationsfluss kann der Austausch als Plattform zur fachlichen Weiterentwicklung oder zur Herstellung von Synergien dienen.

Für die internationale Arbeit werden den beteiligten Abteilungen jeweils ausreichende Ressourcen zur Verfügung gestellt, um den oben genannten Prinzipien Rechnung tragen zu können. Bei Bedarf sollen Fort- und Weiterbildungen für Mitarbeitende zur Stärkung von notwendigen Kompetenzen für die internationale Arbeit gewährt werden. Hauptamtliche oder Freiwillige, die im Rahmen diakonischer Projekte im Ausland bzw. in Deutschland waren, sollen nach ihrer Rückkehr als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren bzw. Mentorinnen und Mentoren im jeweiligen Heimatland eingesetzt werden. Hierfür notwendige Schulungen sollen durchgeführt werden.

Zudem sollen die internationalen Aktivitäten der Landesgeschäftsstelle sukzessive mit den Projekten der Mitgliedseinrichtungen vernetzt werden.