Mutmacher in der Corona-Krise

Kurzarbeit, Verlust der Arbeitsstelle, Mietschulden – die Corona-Krise bringt viele Menschen, denen es schon davor nicht gut ging, in große Not. Die Evangelische Landeskirche und die Diakonie in Württemberg haben deshalb den Fonds „Mutmacher“ aufgelegt. Mit ihm können diakonische Beratungsstellen Einzelpersonen und Familien schnell und unbürokratisch helfen, wenn von keiner anderen Stelle Unterstützung möglich ist. Auf ihrer Sommertagung beschloss die Synode eine Million Euro zur Unterstützung des Fonds.

Nachdem mein Mann in Kurzarbeit geschickt wurde, hatten wir von heute auf morgen 500 Euro weniger auf dem Konto“, berichtet Anna M. (Name geändert). Die Familie mit fünf Kindern im Alter von 5 bis 19 Jahre hatte keine Chance, den finanziellen Verlust auszugleichen. „Auf das Geld vom Amt warten wir seit April. Wir sind sehr froh, dass die Diakonie so schnell geholfen hat.“ Schnelle, unbürokratische Hilfe für Menschen in Not, das ist das Ziel der Aktion „Mutmacher“ von Evangelischer Landeskirche und Diakonie in Württemberg. 150.000 Euro Soforthilfe stellte die Diakonie anfangs den Diakonischen Bezirksstellen und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe zur Verfügung. „Viele Familien haben kein finanzielles Polster und stehen durch Corona vor großen Problemen“, berichtet Birgit Knaus von der Schuldner- und Sozialberatung in Böblingen. Die durch Corona eingeschränkten Dienste treffen auf eine sehr hohe Nachfrage. Und Verbandsgeschäftsführerin Simone Schächterle betont: „Gerade jetzt ist eine Sozial- und Lebensberatung wichtig. Wir freuen uns über die Initiative, die den Menschen hilft.“

Landesbischof July und Oberkirchenrat Kaufmann bei der symbolischen Mutmacher-Übergabe an Simone Schächterle, Verbandsgeschäftsführerin der Diakonischen Bezirksstelle Böblingen.

Auch Landesbischof Frank Otfried July und Oberkirchenrat Dieter Kaufmann sehen die Notwendigkeit des Mutmachers für die Hilfe vor Ort. „In einer solchen Situation muss Kirche zeigen, dass sie nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten hilft. Ich unterstütze diese Aktion, weil sie Menschen Mut macht, in einer solchen Krise nicht die Hoffnung zu verlieren“, so der Landesbischof. Und Diakonie-Chef Kaufmann ergänzt: „Wir betonen immer wieder, dass die Regelsätze für Hartz IV zu niedrig sind und nicht ausreichen. Das zeigt sich jetzt besonders deutlich. Wir wissen aber auch, dass das bereitgestellte Geld nicht reichen wird, dafür ist die Not zu groß. Wir hoffen und bitten daher um Spenden, um den Menschen in Notsituationen wieder Mut zu machen.“

Radiobeitrag über den Mutmacher-Fonds

Synode unterstützt Mutmacher-Fonds

Auch die Württembergische Evangelische Landessynode sah die Not der Menschen, die von den Corona-Auswirkungen betroffen sind. Auf ihrer dreitägigen Sommertagung vom 2. bis 4. Juli haben die 91 Mitglieder einstimmig beschlossen, eine Million Euro für den „Mutmacher-Fonds“ zur Verfügung zu stellen. Entgegen dem ursprünglichen Vorschlag, den Fonds mit einer halben Million Euro auszustatten, entschied sich die Landessynode nach ausführlicher Debatte, den doppelten Betrag einzusetzen. Zusätzlich wird jeder gespendete Euro von der Landeskirche verdoppelt. Jeder der 48 Diakonischen Bezirksstellen in Württemberg werden zunächst 7.500 Euro zur Verfügung gestellt. Sie sollen als schnelle Soforthilfe von bis zu 100 Euro pro Empfänger an Menschen gehen, um unmittelbare Notlagen zu mindern. Außerdem sind sie für Hilfen bei Miet- und Energiekosten oder im Krankheitsfall gedacht, in der Regel sind bis zu 500 Euro pro Empfänger vorgesehen. Trägern der Migrationsdienste, Wohnungslosen-, Arbeitslosenhilfe, Sozialpsychiatrischen Diensten und Jugendhilfeeinrichtungen werden ebenfalls Mittel für Menschen in prekären Lebenslagen zur Verfügung gestellt.