500. Auszubildende: vom Kosovo nach Baltmannsweiler

Zum Internationalen Ausbildungsprojekt der Diakonie Württemberg sind im Herbst hundert weitere junge Menschen angereist. Darunter als 500. Teilnehmerin die bald 19-jährige Rafaella Markaj aus dem Kosovo.

Als „bundesweites Leuchtturmprojekt“ bezeichnete Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller, Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg, dieses Angebot. Internationale Mitarbeitende und Auszubildende seien für die Pflege unverzichtbar. „Die dreijährige duale Ausbildung führt zu einer einzigartig schnellen beruflichen und gesellschaftlichen Integration und ist ein gutes und erfolgreiches Angebot der legalen und sicheren Migration für junge Menschen aus Drittstaaten.“ Sie wünsche sich, dass nicht nur für die Arbeit, sondern auch für die Ausbildung gewonnene künftige Pflegekräfte aus dem Ausland politisch, administrativ und finanziell unterstützt werden.

Siegfried Lorek, Staatssekretär des Ministeriums der Justiz und für Migration, lobte das Projekt der Diakonie als „in höchstem Maß begrüßenswert“. Es könnte Beispiel für andere Branchen sein. Die Zusammenarbeit mit Partnern in den Herkunftsländern, die Vorbereitung auf das Leben in Deutschland und die mitgebrachten Sprachkenntnisse seien Erfolgsfaktoren. Die niedrige Abbruchquote lobte er als „richtig gut“.

Seit 2015 gewinnt die Diakonie junge Menschen aus dem Ausland, zunächst nur aus dem Kosovo, für die Pflegeausbildung in Deutschland. Zielgruppe sind arbeitssuchende Absolventen von Mittelschulen und Gymnasien im Alter zwischen 19 und 30 Jahren. Von den bisher 400 Auszubildenden der ersten sechs Jahrgänge haben inzwischen fast 200 Projektteilnehmende die Prüfungen zur Fachkraft geschafft und arbeiten jetzt in der Altenpflege oder in der Krankenpflege. Die Abbruchquote liegt unter fünf Prozent. Eine wichtige Bedingung für den Erfolg ist, dass die jungen Menschen bereits mit guten Deutschkenntnissen einreisen. Rafaella Markaj hat ihre Ausbildung in dieser Woche im Seniorenzentrum der Zieglerschen in Baltmannsweiler begonnen.

Inzwischen reisen junge Menschen auch aus Bosnien und Herzegowina, Albanien und der Ukraine zur Ausbildung in Baden-Württemberg ein. Seit diesem Jahr gibt es auch für Interessierte aus Armenien und Georgien die Ausbildung als legalen, fairen und sicheren Weg der Migration nach Deutschland. Das Projekt ist dezentral mit über 120 Einrichtungen und 25 Fachschulen in Baden-Württemberg organisiert. Ein Konsortium von 15 Trägern der Diakonie und drei Trägern der Caritas lenken, tragen und finanzieren das Internationale Ausbildungsprojekt gemeinsam.

Die Auszubildenden beteiligen sich mit einem Eigenbeitrag in Höhe von 900 Euro für die Deutschkurse bis zum Niveau B1 und einem weiteren B2-Kurs. Das Projekt erhält keine Zuschüsse oder Fördermittel. Das Ausbildungsprojekt finanziert sich ausschließlich über die Projektumlage der beteiligten Einrichtungen und einen Eigenbeitrag der Bewerber.

„Mit Respekt sehen wir, wie diese jungen Menschen in ihren Herkunftsländern innerhalb von zwölf Monaten die deutsche Sprache 2 erlernen“, sagt Annette Noller. Und das Lernen höre in Deutschland nicht auf. „Die Lehrenden in den Pflegefachschulen und die Anleiter in den Pflegeeinrichtungen berichten von dem großen Fleiß, dem Engagement und dem großen Willen, die Ausbildung erfolgreich zu meistern.“ Die Auszubildenden und die inzwischen ausgebildeten Fachkräfte berichteten von Heimweh, aber auch von neuen Kontakten, dem Leben in einem sicheren Land und von sinnerfüllter Arbeit. Drei der Anwesenden dürfen nicht als Fachkraft arbeiten, weil die Arbeitserlaubnis dafür noch nicht vorliegt.

Auszubildenden und Absolventen des Projekts (links) und Oberkirchenrätin Dr. Annette Noller (r.) bei der Veranstaltung zur Begrüßung der 500. Auszubildenden (©Diakonie Württemberg).

Anlass für die Vorstandsvorsitzende Kritik an bürokratischen Hürden zu üben. Trotz Fachkräftezuwanderungsgesetz erlebten die Verantwortlichen Jahr für Jahr, dass die Abläufe in den Behörden bei der Zeugnisanerkennung oder der Arbeitsmarktzulassung oder der Visaerteilung, der Austellung von Ausbildungsverträgen oder Schulverträgen bei der Ausbildung aus dem Ausland nicht ausreichend vorbereitet oder personell ausgestattet sind. Immer wieder gebe es Probleme bei der Visumserteilung, „obwohl wir 50 identische Visaanträge einreichen“. Im Moment ließen noch fünf Visa für den Ausbildungsbeginn am 1. Oktober auf sich warten. Am Ende der Ausbildung erhielten einige Absolventen erst Wochen nach Abschluss der Ausbildung die erforderlichen Erlaubnisse für die Arbeit als Fachkraft und den damit verbundenen Aufenthaltserlaubnis. In der Zwischenzeit erhalten sie von einigen Ausländerbehörden Fiktionsbescheinigungen. „Ein missglückter Start nach der Ausbildung und kein Zeichen für Willkommen.“

Noller bittet die Politik, die mit Einwanderung von Auszubildenden und Fachkräften beschäftigten Institutionen und Dienststellen mit ausreichendem Personal auszustatten und die bei der Gewinnung von Mitarbeitenden aus dem Ausland relevanten Abläufe „nicht nur im Sinn der Institutionen, sondern auch im Sinn der Kunden zu überprüfen und zu verbessern“. Sie schlägt eine ergebnisorientierte Koordination der Abläufe zwischen Ausländerbehörden, Arbeitsverwaltung, Prüfungsbehörden der Regierungspräsidien und Fachschulen und der Diakonie vor. „Zusammenfassend aber bleibt unser Fazit positiv, aber auch herausfordernd.“

Staatssekretär Lorek verweis auf das beschleunigte Fachkräfteverfahren und versprach, die kritischen Punkte mit  den zuständigen Stellen zu besprechen.